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LOGO CLUB BOCHUM – Punk bis Acid 33 Jahre später

von pottleben

Pottleben - Logoparty in Bochum: 33 Jahre später.Man sollte nie leichtfertig mit dem Attribut “legendär” umgehen. Doch was von 85 bis 91 in der City Passage abging, ist heute die Club-Legende schlechthin. An den Plattenspielern sorgte Ralf Odermann für den unverwechselbaren Sound.

Wenn so gegen sechs Uhr morgens, wahrscheinlich war es auch schon später, der Pixies-Song “Where Is My Mind” das Ende einer langen Partynacht einläutete, war klar: nächste Woche kommen sie wieder. Zu einer Zeit, als der Begriff “Szene-Club” noch einen besonderen Stellenwert hatte und nicht inflationär für einen x-beliebigen Tanzschuppen gebraucht wurde, pilgerte die tatsächliche Szene aus dem ganzen Lande nach Bochum und feierte Woche für Woche immer samstags in dem mit kühlen Eisen- und Stahlmöbeln ausgestatteten Kellerclub. Getanzt wurde in einer Art Käfig, denn die große Tanzfläche war umgeben von langen Eisenstäben. Der abwechslungsreiche Logo-Sound von Independent über Punk bis Wave sorgte für den echten Kult. Sogar frühe Hip Hop-Beats von Public Enemy oder Acid-Knaller aus den Anfängen des Techno standen im Logo auf der Playlist. Was hier passierte war musik- und ausgehtechnisch wegweisend.

Der Mann an den Plattenspielern

DJ Ralf Odermann war der Mann an den Plattenspielern. Mit seinem Mix lockte er den 30-jährigen Chirurgen und die hippiemäßige Abiturientin gleichermaßen auf die Tanzfläche. Über Jugend- und Musikkultur sprach man nicht, lange bevor das Musikfernsehen zum großen Diktat der Trends ausholte, war sie hier einfach Realität.

Auch wenn immer mal wieder Gerüchte über eine Schließung des Logo aufkamen, hielt sich der Club bis 1991. Das Aus riss dann eine große Lücke in das Nachtleben Bochums, der Nachfolger Lurie und auch das Planet schrieben eigene Geschichte, konnten den wahren Kultstatus des Logo allerdings nie ganz erreichen.

Ramones bis DJ Hell

Ralf Odermanns Einfluss war damals weitreichend, er selbst nennt auf seiner Bands wie Buzzcocks, Kraftwerk, Ramones, Sex Pistols, Clash, Sonic Youth, Primal Scream oder Happy Mondays als seine Einflüsse. Aber auch Namen wie DJ Hell oder Ellen Allien tauchen dort auf. Dass der legendäre Ruhrgebiets-DJ neben seinen Punkrockvorlieben ebenfalls auf elektronische Musik steht, war schon damals absehbar. Ende 2004 wurde der Logo Club wieder zum Leben erweckt, sporadisch, und für die Meute von damals in leider viel zu großen Abständen, steigt die Party wieder: im Stargate, quasi an partytechnisch historischer Stelle.

Retro liegt seit vielen Jahren voll im Trend, doch eine bloße Revivalparty sucht man auf der Logo-Party vergeblich. Ralf Odermann wird den Geist von damals wieder mit den Existenzen von heute verbinden. Menschen, die man überall, aber niemals in einem Szeneclub vermuten würde, weil sie dem Discoalter jahrzehntelang entwachsen sind, werden abgehen, rocken und die Mähne schwingen – falls diese noch vorhanden ist.

Also: “die schärfste Partycrowd” trifft sich endlich wieder zu einer der wildesten Nächte im Ruhrgebiet.

 

LOGO – 33 Jahre später

Samstag, 24. November 2018, 23 Uhr (“Die Guten kommen erst um fünf!”)

Projekt-X

City-Passage/Hans-Böckler-Str. 12
44787 Bochum


[Text und Foto: Silke König]

 

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