Home Im Grünen Schlosspark Herten: Wiesen, Bäume, alte Bauten.

Schlosspark Herten: Wiesen, Bäume, alte Bauten.

von pottleben

Pottleben - Schlosspark Herten
Eigentlich war der Schlosspark nie für die Öffentlichkeit bestimmt. Erst seit den 1970er Jahren gibt es hier für die Bevölkerung einmalige Natur rund um das 1376 erstmals urkundlich erwähnte Schloss. Insgesamt ist der Park seitdem noch schöner geworden.

Welche Wichtigkeit der kurkölnische Statthalter Bertram von Nesselrode und seine Nachkommen im Vest Recklinghausen einst hatten, wird bei einem Spaziergang durch den Schlosspark offensichtlich. Der spätgotische Schlossbau wurde ab der Mitte des 16. Jahrhunderts vorangetrieben, hielt als Bastion gegen die Belagerung während des Truchsessischen Krieges stand und diente der Familie von Nesselrode bis ins 19. Jahrhundert als repräsentative Residenz.

Pottleben - Schlosspark HertenChillen war gestern, heute wird der Frisbee geworfen.

Für die Hertener ist der Schlosspark beliebtes und immer wieder neues Ziel, er verändert sich ständig, nicht nur im Rahmen der Jahreszeiten. Unsere Eltern können sich als Nachkriegsgeneration noch an die Zeit erinnern, als der Park privat und nicht öffentlich zugänglich war. Wir wiederum erinnern uns an ausgedehnte Spaziergänge rund um das Schloss, Ostersonntage mit der traditionellen Eiersuche und die späteren Treffen mit Freunden zum Chillen auf der großen Wiese südlich des Schlosses – als das Sitzen auf der Wiese noch nicht chillen hieß. Heute werfen unsere Kinder die Frisbee-Scheibe gekonnt aus der Hüfte oder schießen den Fußball in das aus einer Jacke und einem Rucksack markierte Tor.

 

Das Klettergerüst ist der Hit.

Dass das Parken jetzt Geld kostet und die Sache mit den Kackhaufen sind die einzigen Kritikpunkte, die wir bei unserem letzten Besuch im Hertener Schlosspark fanden. Vorbei am Schlaunhaus über die Brücke in Richtung Schloss auf der abschüssigen Wiese zur Gräfte hin sitzen riesengroße Wasservögel. Köpfchen in das Wasser war gestern. Die kanadischen Gänse haben sich hier breit gemacht und die heimischen Enten auf die benachbarten Teiche vertrieben. Es herrscht Zank und Gekeife, wir gehen lieber weiter, wollen ein wenig über die Wiesen laufen und das Schloss von seiner schönsten Seite ansehen. Doch die Hinterlassenschaften der Riesenviecher machen aus dem Hertener Grün stellenweise eine Kloake – hinsetzen kann man sich auf der Wiese hinter dem Schloss nicht mehr überall. Zum Glück wird der Sand unter dem großen Klettergerüst mehr gepflegt. Bei schönem Wetter herrscht hier Hochbetrieb. Kein Wunder, können sich hier die kleinen Parkbesucher mutig dem Himmel ein Stück nähern.

 

Pottleben - Allee im Schlosspark HertenAugen auf: Botanische Vielfalt beeindruckt

Weiter geht es über die prächtige Allee östlich des Schlosses, wo übrigens im Frühling kurz nach Sonnenaufgang eine beinahe mysteriöse Stimmung herrscht. Jetzt bekommt man so langsam einen Eindruck von der botanischen Vielfalt des Parks. Wir staunen über uralte Bäume aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, Nadelbäume wie wir sie noch nirgendwo gesehen haben, kurios gewachsene Riesen mit überdimensionalen Blättern. Der Laie wird durch an den Bäumen angebrachten Schildern über Art und Alter aufgeklärt: Rosskastanie, Gingko, Zerreiche, Trompetenbaum, Maiskolbenmagnolie, Taschentuchbaum. Seit Generationen sind wir große Fans des Kuchenbaums, der im Frühjahr morgens einen herrlichen Lebkuchenduft versprüht.

 

Landschaftspark nach englischem Vorbild

Pottleben - Tabakhäuschen im Schlosspark HertenÜber die Platanenallee führt der Weg weiter in Richtung Hertener Rathaus. Ganz in der Nähe, wo sich seit Jahrzehnten Brautpaare nach dem Ja-Wort an der kleinen Rehskulptur fotografieren lassen, steht das Mitte des 17. Jahrhundert erbaute und restaurierte Tabakhaus. Früher war dieses kleine Gebäude in die barocken Strukturen des Schlossparks eingebettet, heute ist der Park insgesamt nach englischem Vorbild ein Landschaftspark mit angelegten Sichtachsen. So bleibt es hier ständig überraschend, vor allem wenn man die Hauptwege verlässt.

 

Von der Orangerie zum Rosengarten

Pottleben - Orangerie im Schlosspark HertenUnd dann trifft man mitten im Hertener Schlosspark tatsächlich auf ein Stück italienischer Renaissance: Die Ruine der Orangerie, die Jahrzehnte lang abgesperrt und mit Unkraut zugewuchert war, wurde freigelegt und ebenfalls aufwendig restauriert. Der Baustil überrascht und die kleine Ausstellung mit Bildern und Texten zur Geschichte und Zukunft ist wirklich gut gelungen. Direkt hinter dem Spaziergänger liegt nun die große Narzissenwiese, die im Frühling ein wahres Highlight in Gelb darstellt. Dahinter erhebt sich das Schloss mit dem Zugang zum Schlosscafé. Kaffee und Kuchen stehen bei uns aber heute nicht auf dem Plan und somit gehen wir weiter über die nächste Allee, über deren Weg sich zwei Bäume wie zum Spalier beugen, in Richtung Herkulesplatz und dem angrenzend neu angelegten Rosengarten. In einem Parkführer von 1919 ist die Grundform des ursprünglichen Rosengartens noch gut zu erkennen. Heute hat man diesen in einer vereinfachten Form wieder hergestellt.

Also: Wir finden den Hertener Schlosspark super. Natur und Architekturfreunde kommen gleichermaßen auf ihre Kosten.


[Text und Fotos: Silke König]

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